Ausstattung der Kreuzkirche

hochaltarHochaltarIn den Jahren 1666 und 1667 fertigte der Koblenzer Schreinermeister Christoph Bayer für 123 Reichstaler den prächtigen Hochaltar an. In ihm befindet sich eine Pietà vor Strahlenhintergrund. Oben zeigen sich Gemälde der Heiligen Dreifaltigkeit, der Heiligen Petrus und Margaretha sowie von Maria und Johannes. 1977 wurden zwei Putten der seitlichen Begrenzung gestohlen.

Manch ein Besucher der Kreuzkirche wird sich die Frage stellen, was es mit dem großen Kreuzaltar aufsich hat, der an scheinbar völlig unprominenter Stelle an der Nordwand, unmittelbar am Eingang im Inneren der Kirche steht. Dabei ist zu betonen, dass dieser Altar nicht nur die Stelle eines untergegangenen und lang vergessenen historischen Bauwerkes markiert, sondern dass der Altar darüber hinaus mit seiner künstlerischen Ausgestaltung eine Jahrhunderte lange Geschichte erzählen kann.

kreuzaltarKreuzaltarVor der Errichtung der Kreuzkirche, hatte man eine kleine Kapelle erbauen lassen. Die Grundmauern dieser Kapelle konnten im Jahre 1965 unterhalb der jetzigen Kirche im Bereich des Kreuzaltares freigelegt werden. Diese ehemalige Kapelle diente zum Schutze eines Kreuzes, das 1520 geweiht wurde. Hinter das Kreuz wurde an einer Wand der Kapelle Tafelmalerei angebracht, auf der Bildnisse des hl. Michael, des Pfarrpatrons Laurentius und des hl. Leonhard gemalt worden waren.
In den folgenden Jahrzehnten wurde das Kreuz wegen zahlreicher, auffallender Gebetserhörungen immer mehr verehrt, aber auch von durchziehenden Kriegsvölkern mehrmals verunehrt und im Jahre 1607 völlig zerschlagen. Um diese Zeit kam der Leutesdorfer Anton Will von einer Pilgerreise zu den heiligen Stätten in Palästina, Italien und Santiago de Compostela in Spanien zurück. Zum Dank für die gewiss jahrelange und nicht ungefährliche Pilgerfahrt, von der er wohlbehalten heimgekommen war, ließ er aus gesammelten Almosen ein neues Kruzifix für die kleine Kapelle anfertigen. Dabei wurde der Corpus Christi aus Tuff und die Kreuzbalken aus Basaltlava gefertigt.
 
inschrift
Inschrift
ANNO 1609 IST DIESES WUNDERTHAETIGE, ANMUTHIGE KRUZIFIXBILD AUSGESETZT WORDEN. DIESES BILD IST GEMACHT AUS STEIN, WIR BETEN NICHT AN DEN STEIN, SONDERN GOTT IM HIMMEL ALLEIN.
 
Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges und unter der bis 1654 bestehenden Herrschaft der Lothringer, die sich auf dem Hammerstein festgesetzt und die Gegend unsicher gemacht hatten, zerfiel die kleine Kapelle - das "Kreuz" aber überlebte.
 
1722 bestellte dann Pfarrer Bock für die inzwischen gebaute Kreuzkirche einen neuen Kreuzaltar, der dem Kreuz einen der Barockzeit entsprechendem Rahmen geben sollte. Doch war das steinerne Kreuz zu schwer und zerbrach während man es einfügen wollte. So ersetzte man die Kreuzesbalken aus Basaltlava durch neue aus Trachyt vom Drachenfels.
 
Auch sind uns aus der ehemaligen Kapelle noch Reste der Tafelmalerei erhalten, die in den Kreuzaltar als Nischenrückwand integriert wurden. Mit dem Kreuzaltar war die Innenausstattung der Kirche komplett.
 
marienaltarMarienaltarDer Marienaltar
Im rechten Seitenaltar, der vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt, befindet sich zentral eine Ankleidemadonna, die das Jesuskind auf dem Arm hält. Die Kartusche im Aufsatz darüber zeigt das Bild der hl. Veronika mit dem Schweißtuch Christi. Durch diese Darstellung wird der Bezug zur Passionsgeschichte hergestellt, die das kleine Kind später als Jesus Christus durchleiden muss.
 
Oben wurde dem Altar eine Statue aufgesetzt, wobei nicht entgültig geklärt werden kann, wer dargestellt wird. Es könnte sich dabei um den hl. Antonius mit dem Jesuskind handeln.Wahrscheinlicher ist aber die Darstellung des hl. Hermann Joseph von Steinfeld, dem eine große Marienverehrung nachgesagt wird. Er sehnte sich als Priester danach das göttliche Kind auf den Armen tragen zu dürfen, was ihm in einer Vision gewährt wurde. Als Attribut hält er ein Ziborium, um das Rosen gewickelt sind, in der Hand - denn bei der Messfeier soll seinem Kelch Rosenduft entströmt sein.
 
Die Stifter dieses Altares stammten vermutlich aus Köln, da der hl. Hermann Josef besonders in der Kölner Diözese verehrt wurde.
 
michaelsaltarMichaelsaltarDer linke Seitenaltar ist dem Erzengel Michael geweiht. Er wurde 1696 vom Kölner Kaufmann Johannes Kerich und seiner Ehefrau Catharina gestiftet - das bezeugen sowohl die Stifterinschrift als auch die Wappen des Ehepaares.
Seit der Kirchenrenovierung in den 1970er Jahren befindet sich in der Nische des Altars die Statue des hl. Michaels mit seinen Attributen Schwert und Seelenwage. Vorher befand sich im Altar ein großes Michaelsbild, das sich heute im Christkönigshaus befindet.
 

 
 
 
 
 
 
Stifterinschrift Michaelsaltar
Johannes Kerich Rathsverwanter des Heyligen Römischen Reichs Freyer Statt Cöllen Obrister Wachtmeister deputatus zum 10.20. Vnd 100sten Denier, Wallherr, auch Ambsrichter daselbst Vnd Catharina Kerichs Gebohrne Pingels Eheleuth Anno 1696
 
inschrift michaelsaltar

Die Stifter
Der Stifter Johannes Kerich entstammte einer Kaufmannsfamilie, die in Leutesdorf wohnte. Sein Vater, Johannes Kerich d. Ä., kam ursprünglich aus Binningen bei Kaisersesch in der Eifel. Die Familie hat wohl ihren Namen von dem Ort Kehrig erhalten, der nur wenig weiter in Richtung Mayen-Maifeld liegt. Seine Mutter Sibilla Wolffs gehörte zu einer einflussreichen Andernacher Familie, die in Leutesdorf seit dem 16. Jahrhundert einen Hof besessen hatte - das heutige Haus Jansen-Willems in der Allergasse.
 
Auch wenn Johannes Kerich selbst nicht in den Leutesdorfer Kirchenbüchern nachweisbar ist, was dafür spricht, dass er nicht in Leutesdorf geboren und getauft wurde, so finden wir doch immerhin fünf Geschwister, die hier das Taufsakrament empfingen.
 
Da Johannes Kerich in Köln als Ratsherr auftritt, so wird er sich um die Zeit, als er den Altar in der Kreuzkapelle stiftete (1696), nur vorübergehend in Leutesdorf aufgehalten haben. Es steht aber fest, dass er hier bis zu seinem Tode ein Haus und Grundbesitz besaß. Verheiratet war er mit Catharina, einer geborenen Pingels.
 
Das Stifterwappen "zeigt im blauen Feld drei Paar kreuzweise übereinander gelegte goldene Nägel, dazwischen einen blau bekleideten Arm. Als Helmzier erblickt man zwischen einem Adlerflug ein Paar in Kreuzform übereinandergelegte goldene Nägel. Das Frauenwappen weist im blauen Felde einen rotbekleideten Arm auf mit einer Faust, die drei übereinandergelegte, mit den Spitzen nach aufwärts gerichtete goldene Pfeile hält und eine Helmzier, bestehend aus einem Adlerflug, in dessen Mitte sich die drei aufeinandergelegten Pfeile des Schildes befinden." Diese Wappen befinden sich nicht nur in kleinen Kartuschen oben am Michaelsaltar. In entprechender Größe und Farbigkeit schmücken sie auch eine Wange der Kommunionbank, so dass man annehmen kann, dass die Eheleute Kerich-Pingel auch hier die Stifter sind. Auch gab es an der Kreuzkirche ein Messgewand mit diesen Wappen - offenbar eine weitere Stiftung der Eheleute.
Johannes Kerich ist wohl Anfang April 1701 gestorben, denn am 5. April 1701 ließ sich die Abtei Rommersdorf wegen ihrer Forderungen in dessen Besitztum einweisen. 1701 kam es dann zur Zwangsversteigerung.

Glocken
1655 wurden in Köln zwei Glocken für die Kreuzkirche gegossen, die dann im Turm über dem Hochchor aufgehängt wurden. Da sich der Chor auf einem Grundstück befindet, das das Kloster Laach Leutesdorf für den Kirchenbau geschenkt hat, durfte der damalige Laacher Abt Johannes Luckenbach (1638-1662) die Glocken am 20. Oktober 1658 weihen.
 
Über die Glockenweihe, die Paten und Patinnen - es waren Zöllner und deren Ehefrauen - berichtet der damalige Leutesdorfer Gerichtsschreiber und Lehrer Hubertus Reder im Lagerbuch der Kreuzkirche: Die Festgesellschaft, insgesamt 40 Personen, feierte vom Mittag bis zum Abend bei dem Gastwirt Peter Reidt in der Kleinen Kirchgasse - es war das Haus gegenüber dem Treppchen in der heutigen Zehnthofstraße. Die Zehrungskosten betrugen über 25 Taler.
Die kleine Glocke, von Johannes Lehr in Köln gegossen, ist auf den Ton h gestimmt und trägt die Aufschrift: "Johannes Lehr schuf mich zu Köln 1655, ich ehre Gott mit hellem Klang – Johann von Deutz Nachgänger zu Linz und Margareta Schmitz Eheleut".
 
Die große Glocke musste 1721 von dem Glockengießer Christoph Schelchshorn auf dem Ehrenbreitstein umgegossen werden, da sie anscheinend gesprungen war. Sie ist auf den Ton a gestimmt. Auf ihr steht: "Christoph Schelchshorn goß mich auf Ehrenbreitstein – Ich ertöne hell zu den Messen – Ich beweine die Toten – Ich wehre dem Blitz – 1721".
Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Glocken jahrelang schweigen, weil der Turm beim Läuten bedenklich schwankte. Als dieser Schaden behoben und 1966 auch eine Läutemaschine angeschafft wurde, stellte sich heraus, dass Glocken und Klöppel nicht in rechtem Maß zueinander standen. Es mussten neue Klöppel gegossen werden, deren Schwere nach dem Glockengewicht genau berechnet ist. Seit dem 11. April 1967 können die Glocken wieder geläutet werden.

Krypta mit Heiligem Grab
Das irdische Jerusalem ist, als Abglanz des himmlichen Jerusalems und Stätte des Heiligen Grabes, für Gläubige - früher wie heute - das oberste Pilgerziel. Da aber nicht jeder Gläubige die Möglichkeit hatte, diese beschwerliche und kostspielige Reise auf sich zu nehmen, errichtete man in Leutesdorf ein "Klein-Jerusalem", bestehend aus Heiligem Grab und Ölbergkapelle.
Beim Bau der Kreuzkirche im Jahre 1647 erhielt diese eine Krypta unter dem Hochchor, in der man eine Nachbildung des Heiligen Grabes einrichtete, wie es sie auch in Jerusalem bis zu einem Brand in der Grabeskirche im Jahre 1808 gab.
Im Gegensatz zum Jerusalemer Grab, ist das Heilige Grab in Leutesdorf allerdings nicht leer, sondern der Gekreuzigte wird in seiner Grabesruhe dargestellt. Ähnliche Darstellungen lassen sich auch in anderen katholischen Kirchen des Rheinlandes finden.
 
Die Grabplatte ist zwei Meter lang und aus einem Stück Eifeltuff gehauen. Die Inschrift auf der Kopfunterlage nennt als Stifter den Zöllner Adolf von Cölln und seine Ehefrau sowie die Jahreszahl 1648.
 
In der Krypta fanden Pilgermessen statt. Die Pilger warfen ihre Opfermünzen in das Grab. Bei der Renovierung vor vielen Jahren wurden in den Steinfugen 25 kleine Münzen aus dem 17./18. Jahrhundert gefunden. Im 19. Jahrhundert wurden auch immer wieder Schenkungen gemacht für die Trockenlegung der Krypta oder für eine "immer beim Grab des Heilandes brennende Öllampe".

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