Seligsprechung Pater Haw:
Zum Weisen von Leutesdorf

Portrait von P. Haw

Nach seiner Priesterweihe erlebte Pater Johannes Maria Haw (1871–1949) als junger Kaplan in Koblenz, Vikar in Holz (Heusweiler) und Pfarrer in Wintersdorf die Folgen des Alkoholismus: Armut, Krankheit, vorzeitiger Tod usw.

Er dachte: „Ich muss etwas für diese Menschen tun.“ So gründete er 1919 den Johannesbund zur Ausbreitung des Reiches Christi, aus dem die Kongregationen der Missionare des Heiligen Johannes des Täufers und der Schwestern vom Heiligen Johannes dem Täufer und Maria Königin hervorgingen. Sie widmen sich der Verbreitung des Evangeliums und der Nächstenliebe und sind in Europa, Afrika und Asien vertreten.

Pater Johannes Maria Haw starb am 28. Oktober 1949 im Alter von 78 Jahren in Leutesdorf (Deutschland) und genoss einen Ruf der Heiligkeit. Sein Engagement für die Verkündigung des Reiches Gottes, seine Liebe zu den Armen und sein Wirken als Pionier des Laienapostolats waren Kennzeichen seines Wirkens.

Geschichte der Causa Johannes Maria Haw

Erster Versuch, den Seligsprechungsprozess zu eröffnen

Unter Berücksichtigung des Rufs der Heiligkeit, den der Diener Gottes bereits zu seinen Lebzeiten hatte, befahl der damalige Erzbischof von Trier, Dr. Franz Rudolf Bornewasser, seinem Delegaten, mit den Vorbereitungen für die Einführung des Heiligsprechungsprozesses von Pater Johannes Maria Haw fortzufahren. Es wurden Berichte über ihn gesammelt, Biografien veröffentlicht, das „Pater-Haw-Archiv“ und das „Haw-Museum“ in Leutesdorf organisiert. Am 21. November 1988 ernannten die beiden Generaloberen P. Joseph Schultheis msj und Schwester Siena Peteler csj P. Johannes Weber msj zum Postulator der Causa und stellten am 24.12.1992 den Antrag auf Einführung des Prozesses. Der Trierer Bischof Hermann Josef Spital beantragte am 12.1.1993 das Nihil obstat bei der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse. Der Sekretär, Bischof Edward Nowak, sandte am 26.01.1993 einen Brief an den Bischof von Trier, in dem er um eine dokumentierte Biographie von P. Johannes Maria Haw bat. Aus gesundheitlichen Gründen konnten der bischöfliche Delegat und der Postulator P. Johannes Weber msj dieser Bitte nicht nachkommen und der Prozess wurde eingestellt.

Aktuelle Entwicklung – Diözesanphase des Prozesses

Im Oktober 2006 hielten die Johannesschwestern von Maria Königin ihr Generalkapitel ab. Es wurde beschlossen, den Seligsprechungsprozess ihres Gründers so bald wie möglich wieder aufzunehmen. Die neu gewählte Generaloberin, Schwester Veena, und der Generalobere der Johannesmissionare, Pater Augustinus Molzberger msj, beschlossen, gemeinsam die Aufgabe des „Aktors“ im Seligsprechungsprozess des Dieners Gottes zu übernehmen. Die beiden Generalleitungen ernannten P. Johannes Ambach msj zum Postulator des Prozesses in der Diözesanphase und Sr. Celeste Gonçalves csj als Vizepostulatorin, die die gesamte Arbeit übernahm.                                 

Die beiden Generaloberen wandten sich im Februar 2007 an den Bischof von Trier mit der Bitte, den Prozess zu eröffnen. Da die Diözese Trier vakant war, bestätigte der Diözesanadministrator, Weihbischof Robert Brahm, am 27.09.2008 die beiden Generaloberen als Aktoren der Causa. Mit der Eröffnung des Prozesses mussten sie warten, bis der neue Bischof von Trier sein Amt antrat. Um die Beweise nicht zu verlieren, ordnete der Diözesanadministrator die Vernehmung von Augenzeugen (2008-2011) an, die sich im fortgeschrittenen Alter befanden.

Nach dem Amtsantritt von Bischof Dr. Stephan Ackermann in der Diözese ernannte er für das Verfahren die erforderlichen Amtspersonen:

  • Als Delegatus Episcopalis, Offizial Prälat Dr. Klaus Peters;
  • zum Promotor Iustitiae, Professor Prälat Dr. Maximilian Hommens;
  • zum Notar, Offizialatsrat Lic. iur. can. Michael Klahm;
  • zur Notaria adiuncta: Offizialatsnotarin Karin Pohl.

Am 16. Juni 2009 überreichte der Postulator den Supplex Libellus dem Trierer Diözesanbischof. Er ersuchte am 19. Oktober 2009 das Nihil Obstat des Heiligen Stuhles beim Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, das am 14.06.2010 das Reskript über die Erteilung des Nihil Obstat (nichts dagegen) ausstellte. Mit dem Beschluss vom 16. Juli 2010 ordnete der Diözesanbischof nach einstimmiger positiver Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz die Eröffnung des Prozesses an. Er ernannte eine aus drei Experten bestehende Theologenkommission mit der Aufgabe, die Schriften des Dieners Gottes aus der Sicht des Glaubens und der damaligen Bräuche zu analysieren, und bildete die Historische Kommission aus zwei Archivaren und einem Historiker. Die Eröffnungssitzung des Prozesses fand am 2. März 2011 um 15 Uhr im Sitzungssaal B des Bischöflichen Vikariats Trier unter dem Vorsitz des Trierer Bischofs Dr. Stephan Ackermann statt. In diesem Jahr wurden weitere Augenzeugen zum anhaltenden Ruf der Heiligkeit befragt.

Während der Diözesanphase des Prozesses wurden 32 Diözesanarchive konsultiert. Das ausgewählte Material besteht aus 1190 Dokumenten mit 8762 Seiten. Am 8. Mai 2014 besichtigten der bischöfliche Delegierte und ein Notar den Arbeitsplatz, das Sterbezimmer und das Grab von Pater Johannes Maria Haw. Die „Declaratio de non cultu“ wurde aufgestellt. Der Trierer Bischof erließ per Dekret einen Aufschub der Exhumierung. Am 8. Oktober 2014 endete die Diözesanphase in Trier, und in Santa Hermínia wurde ein Dankgottesdienst gefeiert. Am 19. Oktober 2014 wurden sämtliche versiegelten Unterlagen des diözesanen Prozesses nach fast fünf Jahren der Untersuchung und eingehenden Prüfung des Lebens, der Tugenden, des Rufs der Heiligkeit von Pater Johannes Maria Haw an den Vatikan gebracht.

Römische Phase

P. Thomas Klosterkamp omi wurde zum Postulator für die römische Phase des Prozesses, gefolgt von Pater Diego S. Martini omi, danach der jetzige Postulator P. Cleber Willian omi und Sr. Celeste Gonçalves csj als Vizepostulatorin ernannt. Am 21. Oktober 2014 war die Übergabe des gesamten Materials der Diözesanphase an das Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, das sechs Monate später eröffnet wurde. Der ordentliche Kongress erließ am 19. Februar 2016 das Dekret zur positiven Gültigkeit der Diözesanphase und ernannte am 24. Juni 2016 Pater Zdzisław Kijas OFMConv zum Relator der Causa Haw, gefolgt von Pater Szczepan T. Praśkiewicz OCD, der die Arbeit von Sr. Celeste an der Positio leitete.

Was ist die Positio?

Die *Positio* des Dieners Gottes P. Johannes Maria Haw ist das Buch, das die beweisende Darlegung seiner Heiligkeit enthält; dieses Buch wird vorgelegt, damit seine Heiligkeit von den Kommissionen der historischen Konsultoren, der theologischen Konsultoren sowie der Bischöfe und Kardinäle geprüft werden kann – dies geschieht vor der Feststellung des heroischen Grades der Tugenden von P. Johannes Maria Haw.

Die *Positio* besteht aus 4 grundlegenden Teilen:

  • der *Informatio*,
  • der dokumentierten Biografie,
  • dem *Summarium Documentorum*
  • und dem *Summarium Testium*.

Die *Informatio* umfasst alles, was sich auf die direkten Belege für die Heiligkeit der Person bezieht. Sie gliedert sich in verschiedene Abschnitte, insbesondere in die theologische Darlegung, wie der Diener Gottes die Tugenden – die theologalen, die Kardinal- sowie die spezifisch religiösen Tugenden – in heroischer Weise gelebt hat. Dies ist zweifellos der wichtigste Teil der *Informatio*, da er unmittelbar von der Heiligkeit der Person handelt.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind die „Gründe für die Aktualität der Causa“ – also die aktuellen Beweggründe, die dafür sprechen, die Heiligkeit des Dieners Gottes zu proklamieren, die Bedeutung des Dieners Gottes in der Kirche und in der Gesellschaft seiner Zeit, Wert und Bedeutung des Beispiels und der Botschaft des Dieners Gottes für die Kirche und für die heutige Gesellschaft.

Das Summarium Testium enthält die Aussagen von 89 Zeugen: Augenzeugen, Auditu-Zeugen und Zeugen über den Ruf der Heiligkeit.

Das Summarium Documentorum bezieht sich auf die anagraphischen Dokumente des Dieners Gottes, seine Schriften (spirituelles Tagebuch, Briefe, Konferenzen, Vorträge, Exerzitien und veröffentlichte Artikel), Dokumente zur Gründung, an ihn gerichtete Briefe, Schriften über ihn. Dokumentierte Biographie mit 9 Kapiteln: I – der historisch-politische Kontext des Lebens des Dieners Gottes, II – Familie, Kindheit, Jugend und Studium, Priesterweihe. III – Erste priesterliche Aufgaben. IV – Apostel der Mäßigkeit. V – Apostolat in Leutesdorf. VI – im Dienst des Apostolats der Laien. VII – Zerstörung und Neuanfang. VIII – Gründer und Spiritualität. IX – Letzte Jahre, Krankheit, Tod und Beerdigung. Ikonographie: stellt das Leben von Pater Johannes Maria Haw in Bildern dar.

Die nächsten Schritte

Nachdem die Historische und die Theologische Kommission, Bischöfe und Kardinäle des Vatikans die Positio bewertet und darüber abgestimmt haben, unterbreiten sie dem Heiligen Vater eine Empfehlung. Der Papst wiederum erlässt das Dekret über die heroischen Tugenden des Dieners Gottes. Er verleiht ihm den Titel „Ehrwürdiger Diener Gottes“ (Venerabilis). Wir warten auf ein wahrscheinliches Wunder, das nach dem Tod des Dieners Gottes auf seine Fürsprache geschehen ist.

Diener Gottes Pater Johannes Maria Haw

Gründer des Johannesbundes, Leutesdorf

Gründer der Ordensgemeinschaften der Johannesschwestern von Maria Königin und der Missionare vom Heiligen Johannes dem Täufer

Geboren: 26. Mai 1871 / Schweich
Priesterweihe: 30. März 1895 / Trier

Gründung der Ordensgemeinschaften: 15. Oktober 1919

Gestorben: 28. Oktober 1949 / Leutesdorf

Gebet

Gott, reich an Barmherzigkeit, du hast deinem treuen Diener Pater Johannes Maria Haw den Dienst an den Armen und Leidenden, an Drogenabhängigen und Kranken anvertraut. Mit großer Geduld und Besorgnis gab er ihnen Zuversicht und Hoffnung und führte sie dazu, deine Gnade zu erfahren.

Als Priester hat Pater Johannes Maria Haw dein Heil bewirkt. Als Missionar hat er dein Wort verkündet. Als Begründer mehrerer Werke hat er Menschen auf der ganzen Welt aufgerufen, Christus, deinem Sohn, nachzufolgen. Als Ordensmann verfolgte er fleißig die Heiligung seines Lebens.

Wir bitten dich, allmächtiger Vater, Pater Johannes Maria Haw zur Ehre der Altäre zu erheben und uns auf seine Fürsprache die Gnade zu gewähren, die wir heute mit vollem Vertrauen erbitten.

Durch Christus, unseren Herrn.

Amen.

(Imprimatur: Trier Vic. Gen. 1/2015)

Bitte teilen Sie uns die Gnaden mit, die Sie auf die Fürsprache des Dieners Gottes, Pater Johannes Maria Haw, erhalten haben:

 

Sekretariat Pater Johannes Maria Haw

Hauptstr. 108
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